Gnadenbild am Hochaltar
Hochaltar
Von 1659 bis 1662 erhielt Maria Ramersdorf einen neuen, barocken Hochaltar. In diesem Zuge wurde die gesamte Kirche barockisiert. Der angesehene Münchner Bildhauer und Baumeister Constantin Pader wurde mit dem Entwurf und der Errichtung des neuen Hochaltars beauftragt, der in dieser Form im Wesentlichen bis heute erhalten ist.
Auf dem Sockelgeschoss mit Tabernakel steht der einem römischen Triumphbogen nachempfundene und von zwei Säulen gerahmte Aufbau. Links des Hochaltars steht eine lebensgroße Figur des heiligen Josef mit blühendem Stab in der Hand, rechts eine ebensolche Figur von Marias Vater Joachim, der einen Hirtenstab hält. Mittig über dem Gnadenbild (s. u.) ist die Büste des segnenden Gottvaters zu sehen. Links und rechts davon tragen zwei Engel jeweils Siegespalme und Lorbeerkranz – passend zu einem Triumphbogen, der gleichzeitig die Himmelspforte darstellt.
Gnadenbild
In der Mitte des Hochaltars befindet sich das überlebensgroße marianische Gnadenbild: eine Schnitzfigur der thronenden Muttergottes mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß. Maria ist dabei als Himmelskönigin mit dem Zepter in der Hand dargestellt, das Jesuskind in Tunika und mit der Erdkugel in den Händen als Weltenherrscher.
Das Gnadenbild stammt bereits aus einem spätgotischen Hochaltar, der wohl um 1470 in Maria Ramersdorf errichtet wurde. Im Barock wurde das Gnadenbild – vermutlich mit einem Stoffmantel bekleidet und mit Rosenkränzen behängt – bei Prozessionen mitgetragen. Auf den Kerzen links und rechts steht geschrieben: „Bitte für uns, Maria“.
Dies ist sicherlich auch ein Motto der weitreichenden Wallfahrtstradition, zu der auch der Ramersdorfer Wallfahrtsweg im Frauendreißiger zählt, und ein Grund für die großen Votivtafeln in unserer Kirche.

Interessante Zusatzfakten
Drei Details zum Hochaltar seien an dieser Stelle noch erwähnt:
Zunächst das Bild am Fuß des Altarsockels: Es zeigt den Moment, als der Erzengel Gabriel zu Maria kommt, um ihr zu verkünden, dass sie Christus, den Erlöser der Welt, zur Welt bringen soll (vgl. Lk 1,26–38). Gabriel trägt einen Strauß Lilien für Maria – ein Symbol ihrer Jungfräulichkeit und Reinheit. Das Licht im Hintergrund symbolisiert die Anwesenheit des Heiligen Geistes.
Zweitens: Über dem Tabernakel, der das Ziborium mit den geweihten (konsekrierten) Hostien enthält, befindet sich eine Art Expositionsnische (Drehtabernakel) mit drei Plätzen. Normalerweise ist dort ein Standkreuz zu sehen, das auf die Gegenwart Christi hinweist. Zur eucharistischen Anbetung wird an dieser Stelle die Monstranz gezeigt.
Zuletzt noch ein paar Worte zur Aufschrift „ALTARE PRIVILEGIATUM“ über dem Gnadenbild: Bis zum II. Vatikanischen Konzil war der Ramersdorfer Hochaltar mit einem Ablassprivileg ausgestattet. Feierte ein Priester dort eine hl. Messe, so konnte dem in der Intention bedachten Verstorbenen ein vollständiger Ablass gewährt werden. Außerdem gab es vor allem im 17. und 18. Jahrhundert bestimmte Zeiten, in denen man als Gläubiger an einem solchen privilegierten Altar durch festgelegte Gebete einen Ablass für sich selbst erhalten konnte.
[Quelle: Altmann, Lothar, Älteste Marienwallfahrtsstätte im Großraum München, in: Altmann, Lothar / Steidle, Martina, Maria Ramersdorf: Älteste Marienwallfahrtsstätte im Großraum München, hrsg. v. Kath. Pfarramt Maria Ramersdorf, Lindenberg i. Allg. 2018, S. 38-41.]


